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„Funkstille“ zu Töchtern und Söhnen macht Großeltern den Kontakt zu den geliebten Enkelkindern unmöglich. Aber auch bei Trennung, Scheidung oder Tod eines Elternteils kann es Verwerfungen in der Familie geben, so dass die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern behindert oder auch beendet wird.

Häufig geschieht das ohne Aussprache oder Erklärung, von heute auf morgen gibt es keinen Kontakt. Alle Beteiligten leiden unter der Situation, besonders aber die Enkel/innen, die dadurch die Großeltern als wichtige Bezugspersonen verlieren.

Die Selbstinitiative „BIGE“ bietet betroffenen Großeltern bundesweit die Möglichkeit zu vertrauensvollen und vertraulichen Gesprächen in einer Gruppe ; des Erfahrungsaustausches; Informationen u.a. zur rechtlichen Situation; Vorträge , Seminare u.a.m., um sich intensiver mit der Problematik auseinanderzusetzen.
Schon 2002 wurde diese Großelterninitiative von einer betroffenen Großmuttern initiiert und gegründet.

Auf die Bedeutung und die diversen Aufgaben der „BIGE“ im Spannungsfeld von Familien möchte ich kurz eingehen.
Wie bekannt, befindet sich die „traditionelle Familie“ aufgrund unterschiedlichster Ursachen in einem Prozess der Wandlung und einer Veränderung hin zu neuen Familienformen. Eine Auswirkung ist, dass vermehrt eine Konzentration auf die Kernfamilie erfolgt, mit der Folge, dass viele Eltern keinen oder nur punktuellen Kontakt zu ihren Töchtern und Söhnen haben. Werden sie Großeltern, ist dann kein oder nur sporadischer Kontakt zu den Enkeln/innen gegeben.
Großeltern haben aber eine große Bedeutung für die Enkelkinder: Sie repräsentieren ihre Wurzeln, sie sind Personen, die ihre Enkelkinder bedingungslos und grenzenlos lieben; sie sind zuverlässig, bieten Geborgenheit und Konstanz; bieten andere Erfahrungen; nicht mehr gefordert von den alltäglichen Aufgaben und Sorgen reagieren sie gelassener...
Umgekehrt ist ein guter Großeltern – Enkelkinder Kontakt für die Omas und Opas gewinnbringend. Sie bekommen eine zweite Chance, die sie bei ihren Kindern nicht unbeschwert nutzen konnten. Die enge Bindung zu den Enkeln eröffnet ihnen neue Perspektiven; vermittelt Spaß, Freude, Glück; aktiviert; hält jung und kann bei einem ausbalancierten Umgang (Ein Übermaß erzeugt Stress!) lebensverlängernd wirken, wie eine Berliner Altersstudie zeigt. Demnach ist die eigene Motivation entscheidend - Man muss wollen, nicht müssen!
Fehlender Großeltern – Enkelkinder Kontakt ist belastend, schmerzt und wirkt krankheitsfördernd oder krankmachend. Abgesehen von der Kaskade eigener, negativer Gefühle, steigert die Tabuisierung des Themas „Kontaktabbruch“ in der Öffentlichkeit die Belastung. Wer sich traut, das schambesetzte Problem offen anzusprechen, wird nicht selten mit Unverständnis, Misstrauen, guten Ratschlägen, spekulativen Schuldzuweisungen konfrontiert. Das hilft nicht weiter, verschlimmert für die Betroffenen die Situation, so dass aus Selbstschutz Rückzug und Verschweigen praktiziert wird.

Die Selbsthilfeinitiative „BIGE“ bietet bei regelmäßigen monatlichen Treffen in Köln (seit 5 Jahren) und in Euskirchen (seit 10 Jahren) für Großeltern die Möglichkeit, in geschütztem Rahmen offen über die belastenden Probleme zu sprechen und zu erfahren, dass viele andere auch betroffen sind. Das relativiert etwas die eigenen Sorgen und kann ein erster Schritt der Entlastung sein. Alle Teilnehmer/innen haben ähnliche Probleme, nämlich fehlenden, punktuellen oder belastenden Kontakt zu ihren Kindern und Enkelkindern. Die bewirkt ein Gefühl des Versagens, der Schuld, der Trauer, der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit. Das lähmt und belastet und kann krank machen. Die Mitglieder der „BIGE“ lernen von- und miteinander. Sie tauschen ihre Erfahrungen aus, ermutigen sich gegenseitig und stützen sich. Dadurch relativiert sich das Problem. Nach und nach entwickeln die Teilnehmer/innen wieder Initiative. Sie erwerben Fähigkeiten zur besseren Bewältigung und intensivieren den vertrauensvollen Kontakt untereinander. Diverse Vorträge und Workshops von Fachdozenten, - in Kooperation mit dem „Haus der Familie“ in Euskirchen, - Coaching von Fachleuten und viele Gespräche helfen, sich vertiefter mit der Problematik das Kontaktabbruchs auseinanderzusetzen, auch die eigenen Anteile zu sehen und zu reflektieren, somit die Gesamtproblematik besser zu verstehen und im Austausch mit den Anderen langsam eine andere Haltung zum Unabänderlichem zu entwickeln (Akzeptanz, Loslassen).
„Es ist, wie es ist, aber es wird, was du daraus machst!“ (unbekannter Verfasser)

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die eigene Elternrolle zu reflektieren: Das beinhaltet, Töchtern und Söhnen auf Augenhöhe zu begegnen, statt in ihnen weiterhin
das Kind zu sehen. Der gewünschte gute Kontakt zu den Enkelkindern ist nur dann möglich, wenn ein ehrlicher, offener, wertschätzender, respektvoller gegenseitiger
Umgang von Eltern und Kindern gelebt wird und eine offene, ehrliche Kommunikation praktiziert wird.
Für Großeltern beinhaltet das aber auch, „gute Ratschläge“ zu vermeiden, kein Aufopfern, Unterstützung, aber keine Einmischung, keine Gegenleistungen zu erwarten, bewusst oder unbewusst Druck auszuüben, Schuldgefühle zu erzeugen, Vieles besser zu wissen und zu machen, ihr persönliches Glück von den Kindern anhängig zu machen. Mit Liebe, Unterstützung und Hilfe dürfen keine
Gegenleistungen verknüpft werden. Das, was man tut und gibt, erfolgt freiwillig!
Kurzum, die Auseinandersetzung mit den Kontaktstörungen, bzw. dem Kontaktabbruch sollte letztlich dazu führen, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen. Statt zuerst an andere zu denken, sich selbst zurückzunehmen, wäre es hilfreich, sich aus den vielfältigen Verstrickungen bewusst zu lösen, den Fokus auf das eigene Leben zu richten und für gut für sich zu sorgen, Motto: „Jetzt bin ich an der Reihe!“ (Resilienz) .
Davon ausgehend lässt sich die Wut, Trauer, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit besser ertragen, zudem wird Energie freigesetzt, die Hoffnung nicht aufzugeben und den Enkelkindern trotz fehlenden Kontakts mental nahe zu sein.

Ein wichtiges Thema der Gruppengespräche ist , welche Möglichkeiten bestehen, den geliebten Enkelkindern trotz fehlenden Kontakts nahe zu bleiben, bzw., welche behutsamen Schritte möglich sind, um in Kontakt zu treten. Dies sollen Zeichen der Großeltern an die Enkelkinder sein „Wir sind für euch da!“. Trotz fehlenden Kontakts schicken viele Großeltern immer wieder zu Festen, Geburtstagen, Briefe und Päckchen an die Enkelkinder. Sie sind glücklich, wenn diese nicht zurückkommen. Andere Großeltern suchen gezielt öffentliche Veranstaltungen des Kindergartens, der Schule, des Sportvereins, der Kirche u.a. auf, um ihre Enkelkinder zumindest mal zu sehen und ggf. in Kontakt zu kommen, wenn ihnen das nicht verwehrt wird. Wieder andere nehmen die Hilfe von einem Coach oder Mediator in Anspruch, um mögliche Kontakte zu initiieren. Die Gruppenmitglieder machen sich untereinander immer wieder Mut, am Ball zu bleiben, trotz Misserfolgen (Motto.“Handle so, als wäre kein Scheitern möglich!). Nicht zu vergessen ist, dass bei den Gruppentreffen von den kleinen Fortschritten erzählt wird. Besonders positiv wirkt es, wie es vor kurzem in der Gruppe dargelegt wurde, wenn nach 8 Jahren des fehlenden Kontakts, sich für Eltern- Kinder – Enkelkinder eine neue gemeinsame Entwicklung anbahnt.

Obwohl Großeltern das Recht auf Kontakt zu ihren Enkelkindern haben, fördert das mögliche Einklagen selten eine für alle Beteiligten positive Entwicklung und wird aus Rücksicht auf die Enkelkinder nur in wenigen Fällen umgesetzt.

Manchmal musst du akzeptieren,
dass manche Menschen immer
einen Platz in deinem Herzen haben-
aber nie in deinem Leben! (gofeminin)

Ch.H., Mitglied der „BIGE“ Köln